Rudi Scholz - Aus dem Fundus - Adam und Eva

                    

Aus unserem Fundus zeigen wir zur Zeit zwei Gemälde von Rudi Scholz. Er ist der Maler, dem das Größenwahn sein schönstes Werk verdankt: den umlaufenden (Argonauten-) Fries. In etwas mehr als 20 Jahren hat Rudi diesen Fries bis zu einer Länge von 25 m ausgeführt. Neben diesem Fries hat Rudi noch zahlreiche weitere Werke für das Größenwahn geschaffen, darunter die nun ausgestellten Arbeiten, die Teil eines Tryptichons waren. Am Mittelteil hat leider der Zahn der Zeit genagt, so dass wir uns auf die Seitenflügel  beschränken mussten. Dieses Tryptichon aus dem Jahre 1983 trug den Titel "Adam und Eva", die hier unschwer zu erkennen sind. Das Fehlen des Mittelteils hat für "Adam" und "Eva" immerhin den Vorteil, dass sie sich etwas näher gekommen sind, wenn man auch nicht davon sprechen kann, dass sie sich wirklich zugewandt wären. Adam und Eva scheinen in getrennten Welten zu leben und nur mit sich selbst beschäftigt. Den  fehlenden Mittelteil hat Rudi als einen Wirbel aus den Farben rot und schwarz gestaltet, der Assoziationen an die Hölle weckt. Das kann man natürlich so sehen. Wir halten es aber dennoch für statthaft, die Hölle vorübergehend einmal wegzulassen. Auch als Dyptichon weiss dieses Werk zu überzeugen.
Für uns sind "Adam und Eva" auch Erinnerungen an "alte Zeiten" und an einen Künstler, der das Größenwahn über zwei Jahrzehnte begleitet hat, von dem  wir aber seit fast zehn Jahren leider keine Nachricht mehr haben.
Eine Retroperspektive mit ihm wäre uns ein Herzenswunsch.

Rosenmontag und Fachingsdienstag (20. und 21. Februar)

Keine Angst, es gibt zwar Knollen und Kreppel, aber sicher  keine Karnevalsmusik, kein humpta tätärä, kein Prinzenpaar und kein Geschunkel. Ein bißchen Travestie ist jedoch unvermeidlich, weil unser Takis nun einmal den Fummel liebt.
Letztes Jahr gab es auch ein paar nette Stippvisiten. So  war Cäsar mit seiner Kleopatra da und brachte auch noch lieben Besuch aus Gallien mit, aber ansonsten: "business as usual".

         


                       

Nordend Magazin           

Das Nordend ist ein Viertel, das nun schon eine  geraume Weile  "angesagt" ist, wie man so schön sagt. Eine Zeitschrift, die auf besondere Weise zum Ruhm dieses Stadtteils beiträgt, ist das "Nordend" Magazin. "Nordend" erscheint unregelmäßig, aber regelmäßig in hochwertiger Aufmachung, mit klug geschriebenen Artikeln und außergewöhnlichen Fotografien. Es ist geradezu unglaublich, was die Macher für gerade einmal schlappe  4 € Verkaufspreis da auf die Beine gestellt haben. Selbstverständlich ist diese Zeitschrift auch bei uns zu erwerben. In der letzten, der vierten Ausgabe, findet sich  auch ein Artikel über unseren Seniorpartner Hans-Peter. Dieser Artikel widmet sich seiner Aktion gegen Bischof Dyba im Fuldaer Dom. Ein spektakuläre Aktion aus dem Jahre 1991, an deren Ende er und seine Mitstreiter von "Kirchendienern" aus dem Dom herausgetragen wurden. Unter dem folgenden link kann dieser historische  Anfang seiner kritischen Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche, von der wir ja immer wieder berichten, nachgelesen werden.

Der Artikel ist unter diesem Link nachzulesen

                     


  Nach -  Rufe

  Das Jahr 2011 endete an seinem letzten
  Tag,  dem 31. Dezember, mit einer
  traurigen Nachricht. An Silvester starb
  nach kurzer Krankheit Brigitte 
  Eschenbach, ein über viele Jahre
  treuer Gast (linkes Foto).
  Mit ihrem Tod möchte ich auch der
  Gäste und Mitarbeiter gedenken, die
  wir auf unserem langen Weg haben
  sterben sehen, die zur kleinen
  Größenwahnwelt gehörten, die in
  unserer Geschichte nicht vergessen
  sind und an ihr mitgeschrieben haben.
  Bei den Mitarbeitern denke ich an
 Louis Allain, der in unseren ersten Jahren stilvoll mit einer Fliege bediente und den wir bereits 1985 durch AIDS verloren, ebenso wie unseren Partner Hainer Dürrbeck und wie zwei Jahrzehnte später Walter, den "Schmetterling". Ich denke an die Köchin Susanne und ihre göttlichen Maultaschen, auch an Monika Müller mit ihrer Hochfrisur, die im Größenwahn starb. Bei den Gästen sind es der Jodler, den niemand anders als unter diesem programmatischen Namen kannte, Dieter "Knobel", den reinkarnierten Hans Albers, der "Flipperkönig" Volker, der in Thailand verunglückte, die Gebrüder Tom und Stefan, die den Drogen erlagen, der Maler Albrecht Rossinsky, der ermordet wurde und  Gerd "Sparbier", der seinen Spitznamen hasste. Ich denke an Gerd Temming, den Charles Bukowski unter den Anwälten, an Peter vom "Mitternachtsstammtisch" und an Elfie vom "Montagsstammtisch", beide dem Pankreakrebs unterlegen. Ich denke an Ilona, die ihr leeres Glas auf den Kopf stellte, wenn sie Nachschub wünschte, an Walter Dorn, den Jazzer, der montags seinen Spiegel bei uns las, an Ulrich mit dem Rauschebart, der jahrzehntelang schweigend an der Theke saß und an die dunkel gekleidete, geheimnisvolle Birgit.
Diese sehr persönliche Auswahl ist natürlich unvollständig, denn nach 34 Jahren, ist der "himmlische" Größenwahn leider ebenso bis auf den letzten Platz besetzt wie der "irdische". Und sollte es diesen "himmlischen" Größenwahn nicht schon geben, dann wird Hans Peter, wenn seine Stunde geschlagen hat, dort oben sicherlich einen eröffnen. Wir dürfen also auf ein Wiedersehen im "Größenwahn" hoffen.


                         

Am Donnerstag las Astrid Keim im Café Größenwahn aus ihrem neuen
Buch
"Was Sie schon immer über die Gastronomie wissen wollten - ein
Blick hinter die Kulissen".
 
Es ist das zweite Buch von Astrid Keim, die mit ihrem Mann Eckkardt das Restaurant "Estragon" betreibt. Das  Buch ist die Quintessenz aus ihrem abwechslungsreichen Leben in der Gastronomie seit etwa 30 Jahren. Das neue  Buch - wir erinnern uns gerne ihrer Lesung aus ihrem ersten Buch "Chikago Kid in Frankfurt" im Herbst letzten Jahres - war  Astrid Keim nach ihren eigenen Worten eine Herzensangelegenheit . Die Autorin serviert ihr Wissen in drei Gängen. Auch das Größenwahn findet eine kurze Erwähnung, ganz am Anfang des Ersten Ganges, quasi als ein erster Gruß aus der Gastronomie. Insgesamt ist ihr Buch ein leidenschaftliches Plädoyer für das gute Essen, das sie gerade auch durch viele Tricks in der Gastronomie gefährdet sieht, auf die sie den Leser hinweist. Der Größenwahn Verlag  jedenfalls freut sich, diese kleine Enzyklopedie aus den höheren Gefilden der Gastronomie, das unterhaltsam geschrieben und  mit vielen wertvollen Tipps und Informationen versehen ist, anbieten zu können - auch im Größenwahn erhältlich / 16,90 €-.

 
Buchbesprechung in der Neuen Presse
            
Nachdem wir am 30. bereits  einen guten Rutsch in das neue Größewahnjahr hatten - der 31.12. ist unser einziger Ruhetag im Jahr - hoffen wir, dass am 31. alle gut in das Jahr 2012 gerutscht sind.   

Farewell

Am 30.12. feierten wir unser traditionelles Farewell, mit dem wir, gemeinsam mit den Gästen, das Größenwahnjahr verabschieden, denn an Sylvester bleibt das Lokal geschlossen.
Dieses Farewell ist eine Art Händchen-Halten mit den Gästen, was in seiner psychisch stabilisierenden Wirkung auf uns nicht unterschätzt werden sollte. Wir befinden uns immerhin in unserem 34. Jahr! Da schaut man sich schon mal ungläubig um und ist dankbar, wenn die Gäste einen festhalten und gelegentlich auch zwicken. Man hat ja leicht das Gefühl, dass man träumt, zumal wenn man uns dann auch noch so herzlich zuprostet, wie auf diesem Foto.

                          
 
Dass 34 andererseits noch kein Alter ist, das sehen wir an Hans-Peter, der auf der Fotografie oben rechts mit Peter und auf der unten mit Takis zu sehen ist, ein Foto, das mir besonders nahe geht, denn auch ich  habe früher Hans Peter  am liebsten mit geschlossenen Augen zugehört - vor allem, wenn er von der künftigen katholischen Kirche sprach, wenn sie endlich nach seinen Vorschlägen unter Papst Benedict XXXVI reformiert sein wird -. Ich bin der festen Überzeugung, dass Hans-Peter spielend das Alter eines Leopold Hawelkas erreichen wird (gerade 100-jährig in seinem Lokal verstorben). Das wären dann vorneweg nochmals 35 Jahre, in denen sich die Gäste seiner Gegenwart erfreuen könnten. Um dieses Ziel nicht zu gefährden mußte er diesmal auch nicht seine berühmte Farewell-Rede halten, diese drei aus tiefem Herzen ausgerufenen "Danke! Danke! Danke!", sondern Peter übernahm die Sache, der natürlich, wie es seinem jugendlichen Alter entspricht, etwas weiter ausholte und seinen Dank gebührend ausschmückte. Der Rest war dann nur noch Feierei, bis in das Morgengrauen, bei der man das Fotografieren leider ganz vergaß, so daß ich hier nicht wie in den Vorjahren in der Lage bin, das allgemeine Durcheinander von Gästen und Gastgebern bildlich zu dokumentieren.
Und wenn wir wieder ausgeschlafen sind, dann freuen wir uns auf das neue Größenwahnjahr.

                 

Der Adventskalender - täglich ein Türchen, geöffnet von einem unserer lieben Gäste!

Doch die Türchenöffnerei hat nun leider mit dem 24. ein Ende gefunden.

              

24. Dezember

Heute feiern wir Heilig Abend, den Geburtstag des Herrn, obwohl wir nicht genau wissen, ob er tatsächlcih am Abend geboren worden ist, oder vielleicht schon am Morgen oder gegen Mittag. Zweifel werden ja selbst an seinem Geburtsdatum geäußert, so dass es sich durchaus um einen Schützen und nicht um einen Steinbock handeln könnte. Auch wenn diese Unsicherheit hermeneutisch gesehen unbefriedigend sein mag, das sind Feinheiten der theologischen Forschung und wir haben uns eigentlich immer nur um den gastronomischen Teil der Geschichte gekümmert. Wir feiern seinen Geburtstag selbstverständlich  am Abend des 24. und wie!! Eine Art Ausnahmezustand herrscht dann im Größenwahn und der Stammgast reibt sich verwundert die Augen. Alles eingedeckt. Das gibt es nur an diesem Abend.


         

Selbstverständlich ist diesem Abend auch das schönste  Kästchen vorbehalten. Statt aus Pappe war es ganz aus Holz. Irritierend war nur, dass der lange Text, der auf dem Türchen zu lesen ist, das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern erzählt und damit auch das Geburtstagsfest des Herrn irgendwie mit dieser Mustererzählung für ein gutes Marketing in Verbindung bringt.
Gottseidank ist das niemand weiter aufgefallen, schon gar nicht der Gewinnerin, die genug damit beschäftigt war, einen Überblick über all die Geschenke zu bekommen, die das Kästchen barg: Einen Gutschein für den Garden Eden, zwei Gutscheine für die Oper Frankfurt, Vino Santo, Gelee, Gebäck.

                  

Hier aber auch ein Foto des Teams, das für eine gelungene Geburtstagsfeier sorgte:
Maria, Regine, Dilek, Gitti, Holger, Brunni und Peter (v.links n.rechts)
                                                    
            


                                                    
                                                     

23. Dezember
ego te absolvo a peccatis tuis







"Das war nicht geradlinig und das tut mir leid. Ich sehe ein, nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch dem Nikolaus erlaubt." Diese sehr persönlich gehaltene Erklärung des Nikolaus Peter wegen des Vorfalls am Vorabend - wir berichteten darüber - quittierte unser Bischof Hans-Peter erleichtert mit einem "ego te absolvo". Sogar die 10 Vaterunser erließ er dem Reuigen. Allerding übernahm unser geistliches Oberhaupt an diesem Abend höchstpersönlich das Geleit der Türöffnerin.  Hinter dem 23. Türchen war heute ein Gutschein der Modistin Ruth Löffelholz  für ein maßgeschneidertes T-Shirt. Da dieses T-Shirt "körperbetont", "mit Liebe zur Silhouette" "auf den Körper modelliert", eine "stoffliche Topographie" sein wird, bestand heute überhaupt keine Gefahr, dass irgendeiner unserer Nikolause, dem Gewinner das T-Shirt abschwatzen wollte. Bei der Gewinnerin hingegen sind wir gespannt  auf die textile "Erzählung über die Trägerin", auf diesen "Text ohne Text", fast bin ich versucht zu sagen auf den Subtext.
Welch furchtbaren Versuchungen allerdings auch  Bischöfe ausgesetzt sind, erkennt man recht gut auf dem oberen rechten Foto. Wie verführerisch wird da doch dem Manne der Arm um den Hals gelegt, und mit welch sanftem Druck, eine Nähe erzeugt, die die größte Gefahr auch für den Frömmsten bedeutete, zumal wenn die allmählich eintretende Schwäche des Alters einen entschiedenen Widerstand fast aussichtlos erscheinen läßt.

                

22. Dezember

Jetzt stehen wir schon kurz vor  Heilig Abend, wozu vielleicht nicht unbedingt die Dekoration des 22. Türchens passen will. Hat Takis sicherlich aus einem der Heftchen ausgeschnitten, die bei uns so ausliegen.  Dieser Torso auf Weihnachtspapier gehört schon eher in die Tür eines Spindes als auf die Tür eines Adventskalenders. Das weckt schließlich Erwartungen, die wir beim Auspacken nicht erfüllen können, auch Holger nicht oder Timo, unsere bodyshaper, von dem Rest der bellyshaker ganz zu schweigen. Immerhin dürfte der heutige Türöffner, soweit man das von hier aus beurteilen kann, unserem Türsteher an nichts nachstehen. (Um den Gerüchten der Kungelei vorzubeugen: Es handelt sich nicht um den Sohn Regines, leicht daran zu erkennen, dass sie hier einen überaus glücklichen, aber keinen stolzen Eindruck macht).  Der Türöffner hat nun einen Gutschein gewonnen für die Physiotherapeutin. Er darf sich einen beliebigen Körperteil, wo er halt Probleme hat, therapieren  lassen. Etwas peinlich war, dass unser Nikolaus Peter, als er erfahren hatte, dass der Gewinner auch ein Physiotherapeut ist, schüchtern zwar und mit ziemlich schlechtem Gewissen, versuchte ihm den Gutschein für ein paar schäbige Biere abzuschwatzen. Klar hat so ein Nikolaus Rückenprobleme, die er liebend gerne von Lisa, so heißt die sponsorende Therapeutin, behandelt wissen möchte. Aber das ist natürlich ein Unding,  wenn er versucht, Geschenke die er verteilt hat, sich hintenrum   unter den Nagel zu reißen. Doch Peter hatte keinen Erfolg. Der Gast soll nämlich auf das Angebot hin, Lisa Spiegels Website besucht haben und anschließend zu keinen Verhandlungen mehr bereit gewesen sein.

                      

21. Dezember
Sir - Taki                     

Zunächst verlief alles wie jeden Abend. Eisenbahn, "Let it snow", himmlischer Glöckchenklang. Das volle Programm wurde gegeben, als Nikolaus sich seinen Weg durch die Gäste bahnte, im Gefolge sein griechischer Knecht Ruprecht, der diesmal unbedingt auch noch alles filmen wollte. Nikolaus tritt zu einer Gruppe von Damen an den Tisch, die Damen singen ihm ein Liedchen und eine von ihnen kann ihm auch noch, mehr schlecht als recht, ein Gedichtchen aufsagen. Aber die Dame hat sich noch nicht richtig auf den Weg gemacht das Türchen zu öffnen, da wird das Stück "Der Nikolaus kommt" auch schon abgesetzt und der  "Der Hahn im Korb" kommt zur Aufführung. Der griechische Ruprecht wirft seine Kamera zur Seite, schießt am Nikolaus vorbei und "schwups" sitzt er inmitten der Damen. Der Grieche kann selbst als Ruprecht nicht von solchen Spielchen lassen. Diese Hahn-Rolle steckt ihm zu sehr im Blut. Ich kann mich noch an meine Studentenzeit erinnern, wenn wir beim Griechen saßen und eigentlich Revolution auf dem Programm stand, dann tanzte der Grieche mit unseren Frauen Sirtaki. Das ist angeblich ein reiner Männertanz, aber der Grieche wollte ihn partout nur mit unseren Frauen tanzen. Irgendwie war das an diesem Abend auch nicht anders. Küßchen hier und Küßchen da. Die Damen waren wie aus dem Häuschen, haben alles brav mitgemacht. Sie haben nur vergeblich darauf gewartet, dass sie zum Sirtaki aufgefordert werden. Aber Sir Taki fehlte der Platz, und wenn man eh schon so eng sitzt, alles  auf dem Silbertablett serviert bekommt, warum soll der Grieche da überhaupt noch tanzen. Um das Maß voll zu machen, hatten die Damen in dem Kästchen auch noch mehrere Flaschen  griechischen Weins von den Hängen des Olymp gefunden. Aber davon mußten sie nicht mehr kosten, um Zeus gewogen zu sein. Ach,  ich fühlte mich wie das ausgeraubte Kästchen mit dem schönen deutschen Namen  Fritz Müller. Nein mir ging es nicht gut an diesem Abend.
                  


      


20
. Dezember
Men in Black

  

Warum nur steht gerade Konrad dieser Kopfschmuck, dieser mit der mehrfach gewundenen Antenne, so gut? Als wäre er für ihn gemacht? Was bei anderen einfach lächerlich aussieht, besitzt bei  ihm eine seltsam anrührende Wahrhaftigkeit. Er will auch meist nur diesen tragen und keinen anderen. Leider bin ich dem Geheimnis dieser Korrespondenz noch nicht wirklich auf die Spur gekommen. Ich hoffe allerdings,  ihn eines Nachts heimlich um den Tresen tanzen zu sehen und seinen wirklichen Namen ausrufen zu hören. Als   Arbeitstitel ist aber auch  "Konrad“ nicht schlecht gewählt, heißt das doch nichts anderes als "kühner Rat". Seine Ratschläge werden jedenfalls oft so empfunden. Metaphorisch gesprochen sind sie kühne  Tänzchen mit der Logik entlang des Abgrunds. Meist wird der  Zuhörer von einem  leichten Schwindel erfasst und er weiß nicht, ob er noch steht oder schon fällt, während er Konrad in diesen Gedankengebirgen leichtfüßig und mit sicherem Schritt herumspringen sieht.  Ein solches Schauspiel kann man zweifelsohne nur aufführen, wenn man eine derartige  Antenne besitzt.                            Auf dem unteren Bild sehen wir unsere Version von "Men in Black". Der außerirdische Herr (links), mit himmlischen Mandat ausgestattet, führt den irdischen, aber dafür auch sündhaft attraktiven Gast (rechts), ohne Antenne aber mit Glöckchen, zum 20. Türchen. Hinter diesem fand er einen Stollen (hausgemacht), Gelee (hausgemacht)  und ein Karte des English Theatre. Einfach Marvellous! Mr. Handsome, unser Hauptdarsteller an diesem Abend, ist  Amerikaner. Wir hoffen, dass er mit dem englischen Insel-Dialekt, der dort gesprochen wird, zurechtkommt.

        

19. Dezember
Sah ein Knab ein Röslein stehen....

An unserem Kalender sind jetzt die meisten Türchen geöffnet. Nur noch wenige Tage trennen uns von dem ersehnten Ereignis und eigentlich sollte uns das ein Anlass zu ungetrübter Freude sein. Aber es stellen sich auch ein paar schwere Gedanken ein, wie schnell doch die Zeit vergeht, dass alles bald wieder vorbei ist, und dass die Vorfreude mit jedem Türchen eigentlich abnimmt. Man denkt schon an das auf dem Boden zerstreute, zerrissene Geschenkpapier. Das kann uns leicht traurig stimmen. Aber alles Traurige ist für eine Gaststätte ein absolutes "no go" (geht überhaupt nicht). Deshalb, und damit der Gast sich nicht wie aus leeren Augen angeglotzt fühlt, schließen wir die geöffneten  Türchen auch wieder. Auf diese Weise behält der Kalender sein jungfräuliches Aussehen - calenda intacta. Der Trick, der beim Adventskalender noch einigermaßen hilft, kann natürlich nicht beim Anblick dieser beiden jungen Damen angewendet werden. Wie sollte ich auch all die vielen, vielen Türchen schließen, die an meinem Kalender schon offenstehen und von Vorfreude auf die nächsten Türchen kann überhaupt keine Rede sein.  Ach, der Schatten junger Mädchenblüte lastet schwer auf mir. Solch einen traurigen Film sollte die junge Dame aber keinesfalls mit ihrem Kinogutschein buchen und auch die Marmelade in heiterer Gesellschaft verzehren. Ich brumme derweil das Lied vom Ahnerl: "Noch oamal, noch oamal, noch oamal!" und würde doch so gerne ein anderes singen, z.B. das vom Knaben.

                



17. Dezember
Draußen vor der Tür...

                      

In diesen frostigen Tagen sind meine Gedanken oft bei den Rauchern, die Abend für Abend gezwungen sind vor die Tür zu gehen. Da draußen ganz alleine in der Gesellschaft von "Joachim" zu stehen, im Regen oder schlimmer noch in bitterer Kälte, das hat im Größenwahn aber auch Reize, die einen glatt zu einem Dezember-Raucher machen könnten. Denn zu keiner anderen Zeit genießt der Raucher eine schönere Aussicht auf das Größenwahn, ja das Leben, als gerade in diesen Tagen vor dem Fenster des Tisches 16. Man versinkt dort in eine unvergleichliche Besinnlichkeit. Die Fotografie gibt das nur unzureichend wieder. Man steht in der Stille der Nacht, hört, wie aus weiter Ferne, ein leises Stimmengewirr, man schaut in die hell erleuchtete Stube, die in den wärmsten Farben erstrahlt. Spätestens jetzt schießen dem Raucher die schönen Verse Lenaus, dem Namensgeber unserer Straße, durch den Kopf:

Frost friere mir ins Herz hinein!
Tief in das heißbewegte, wilde!
Dass einmal Ruhe mag da drinnen sein,
Wie hier im nächtlichen Gefilde!

Er wird wie verzaubert stehen, nachdenklich an seiner Zigarette ziehen und erst bei deren Verglimmen allmählich und widerwillig in die Wirklichkeit zurückehren. Gut, jetzt wird er frieren, aber nun darf er auch wieder hinein in die geheizte Stube. Er kommt gerade noch rechtzeitig, um Zeuge des Tänzchens zu werden, das Holger mit der 17. Türöfferin aufführt. Wovon sie in diesem Augenblick mit geschlossenen Augen träumt, wissen wir nicht, aber die Geschenke aus dem Kästchen, ein paar Flaschen Wein, einen Stollen, Größenwahn-Notizbücher, werden ihr das Ende des Tänzchens etwas versüßen.


          
 

16. Dezember

Gestern war der "Tag des dreifachen Verfalls", an dem "Joachim" zum "Stresstest" blies. Diese Topnachrichten liesen uns unberührt. Aber die Nachricht, dass der Juchtenkäfer seine Klage gewinnen konnte, hat uns mit Freude und auch ein bißchen Stolz erfüllt, denn der Juchtenkäfer war ja einer der Hauptgründe, warum wir letztlich davon absahen unsere Eisenbahn   unterirdisch zu verlegen. Dieser Plan war bei uns damals von gewissen marktorientierten  Kreisen in der Absicht gefaßt worden,  oben auf dem Tresenschrank Platz  für einige Schnapsflaschen zu schaffen. Ein paar schnöde Euros mehr sollten in die Kasse fließen - Ich berichtete letztes Jahr über diese Vorgänge -. Aber die überwältigende Mehrheit verhinderte dieses Vorhaben. Überhaupt sind wir ziemlich tierlieb. Unsere vierbeinigen Freunde finden stets eine gefüllte Trinkschale vor. Auch ein Leckerlie halten wir bereit. Deshalb kommt auch der Nikolaus so gerne zu uns. Gestern war er jedenfalls bester Laune und Böswillige wollten die Ursache dieser Freude schon in der Gewinnerin suchen. Schließlich  sah man auch noch ein Blitz direkt neben den beiden eingeschlagen.  Aber hier so wie ein Derwisch herumzutollen hat, wie mir versichert wurde, nur mit dem Juchtenkäfer zu tun und bei der Beschenkten mit einer Karte für das Schauspiel Frankfurt und einem Glas Gelee. Alles also ganz unschuldig.
Was den Zahlendreher auf Kästchen 16 betrifft, so handelt es sich nicht um eine Zahlenlegasthenie, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern um eine bewußte künstlerische Gestaltung, wie mir der Kalenderbauer versicherte, nachdem er den Fehler festgestellt hatte.





                  

13. Dezember                                                                                                                                       Erleuchtendes

                         

Erhaben über all dem Weihnachtstrubel im Größenwahn thront unser Buddha auf seinem Platz unter der Decke. Der "hype" um seinen Mitbewerber  juckt ihn ehrlich gesagt ziemlich wenig. Er erträgt ihn ebenso ungerührt wie das  ständige Gezappel der chinesischen Glücksbringerkatze an seiner Seite (und neuerdings auch noch das ständige Gewinke der Queen auf der Kaffeemaschine). Für ihn ist das alles Schleier der Maya.  Gestern Abend konnte er aber auch von seiner Warte durchaus Billigenswertes erkennen. Denn wir schickten unseren Gewinner nicht nur auf den Weg zum Kästchen, sondern auch auf den Weg zu mehr Erleuchtung. Hinter dem Türchen jedenfalls fand er neben einem hausgemachten Stollen einen Gutschein für Tanjas Yogahaus. In einem  dreistündigen Schnupperkurs wird unser Gewinner vielleicht noch nicht zur Erleuchtung kommen, aber wenigstens schon einmal von Tanja im Scheidersitz geschult werden. Seine Lehrerin entspricht allerding überhaupt nicht unseren Vorstellungen an einen Yogi oder Buddha, sondern sie - man sehe sich nur einmal die Bilder unter ihrem link an - gehört noch ganz der Welt der schönen Erscheinung an, die gerade den Männern so viel Schwierigkeiten bereitet, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ach, wenn der Nikolaus nur 20 Jahre jünger wäre... (Was auf dem Foto schon nach Erleuchtung aussieht, ist allerdings nur schlechte Beleuchtung).


                               


12. Dezember        


                    

Wie üblich machte sich der Nikolaus an diesem Abend auf seinen Weg jemanden auszuwählen, das 12.  Kalendertürchen zu öffnen. Als er aber vor dieser Schar junger Damen stand, die ihn alle so freundlich  anlachten, da hatte er ganz vergessen, wen er denn nun hatte  auswählen sollen. In seiner Verlegenheit verfiel er auf einen alten Abzählreim und er begann von rechts nach links, „Diamonds are a girl´s best friend“ abzuzählen. Die Wahl, die er damit traf, fand zwar begeisterte Zustimmung im Kreise der Freundinnen, aber natürlich sind dem Nikolaus solche Sprüche eigentlich verboten, auch wenn es vielleicht dem einen oder anderen nachvollziehbar sein wird, dass ihm gerade dieser eingefallen war. Hinter dem 12. Türchen befand sich nämlich ein Gutschein für die Schmuckgestalter vom  "Machwerk" in der Eckenheimer Landstraße, ein Adresse für auserwählten Schmuck. Ich selbst möchte der Gewinnerin für ihren Besuch  dort noch die Empfehlung mitgeben, die Inhaberin vom "Machwerk" beiläufig auch einmal nach ihrem Backwerk zu fragen. Ihre Plätzchen gelten unter Eingeweihten als Kult. Ich lege ihr besonders die Vanillekipferl ans Herz, die ich sogar von ihrem Geschäftspartner, einem sonst zurückhaltendem Menschen, wegen ihrer unglaublichen Mürbe habe loben hören.  Aber das nur nebenbei, natürlich ist man  nicht wegen der mürben Plätzchen dort, sondern wegen der harten Diamanten, wie es uns Marilyn zuzuraunt:"Diamond! Diamonds!  I don´t mean rhinestones! I don´t mean Vanillekipferl!"

                          
                 

Link zu den
vergangenen
Kalendertagen


                                          
         

Dokumentation

  • Adventskalender und Jahresrückblick 2011

  • Regines Dienstjubiläum

  • Adventskalender 2009

  • Adventskalender und Jahresrückblick 2010