Frankfurt

 

Frankfurter Originale

Worauf man auf gar keinen Fall verzichten kann

Nidda

+Nidda (FR)

Völlig unverzichtbar für das großartige Frankfurt ist neben der Großmarkthalle die kleine Nidda. Wobei "klein" gemein ist; die Nidda ist nach dem Main der zweitgrößte Fluss der Stadt. 18 Kilometer liegen auf Frankfurter Gemarkung, von Harheim bis zur Wörthspitze in Höchst, wo sie in den Main mündet. Die Nidda ist grünumgürtelte Naherholung für die Bürger. Fließt so herum, schlängelt sich, darf streckenweise wieder ganz natürlich werden und beherbergt an ihren Ufern und in den Wiesen allerlei Getier. Manche Schildkröte fand hier ihr neues Zuhause. Unlängst schwamm eine in Höhe des Bonameser Flugplatzes in der Niddamitte, mit hochgerecktem Lederhals und mürrischem Gesichtsausdruck. Es fliegt der Reiher, es quakt der Frosch. Und doch ist gleich da vorn schon Großstadt. Deren Bürger können an der Nidda Atem holen, sich herunterpegeln und ihre Kinder auf Flößen Huckleberry Finn spielen lassen.

Mit Kindern trifft der Frankfurter manche Entscheidung anders als ein Wesen ohne Nachwuchs. Und kann sich plötzlich sogar vorstellen, das Nordend zu verlassen. Sein geliebtes Nordend, den Ort, den er bis dahin doch stets für den urbansten der gesamten Stadt gehalten hatte. Doch selbst, wer dem innenstadtnahen Quartier den Rücken kehrt, käme nie auf die Idee, dass damit auch der Abschied vom Café Größenwahn verbunden sein könnte. Niemals. Und selbst wenn es irgendwann drei Kinder sein sollten, die mit ihm und der mittlerweile Angetrauten das Reihenhaus am Rande Bornheims oder abseits der Hügelstraße teilen - abends führt der Weg immer wieder ins Größenwahn zurück. Und wenn es nur zweimal im Monat ist. Dann aber sollte es in diesem Bistro das Zitronenhühnchen geben. Unbedingt. Zitronenhühnchen mit toskanischem Kartoffelpüree und Gemüse - fein geschnetzelten Karotten mit Fäden vom Lauch. Frisch, knackig, prächtig.

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Mit dem Erzeugermarkt wiederum, auf der Empore der Konstablerwache, hat Frankfurt ein unverzichtbares Stück gesellige Frische. Mitten in der Stadt bieten die Bauern der Region ihre Waren feil, Bio und Nicht-Bio; samstags zwischen 8 und 17 Uhr, donnerstags von 10 bis 20 Uhr. Mehr als 50 Stände bilden einen Genussparcours und zwischendrin immer wieder Bänke, an denen die außerordentlichen Bratwürste verzehrt werden können. Dazu bester Ebbelwei oder ein Glas Wein. Hier kann der Frankfurter seine Lebenslust, das Wochenende, die Vorfreude aufs Kochen am Abend feiern.

Unverzichtbar ist natürlich auch das Kino Orfeos Erben, und das gleich aus vier Gründen. Erstens, weil sich das Programmkino wohltuend von dem Quatsch abhebt, der in den Schuhschachtel-Kabäuschen und Multiplex-Kathedralen über die Leinwand flimmert. Zweitens, weil es nach dem Ende des Royal das Frankfurter Kino ist, das mit Abstand den meisten Flair hat (nun gut, das Filmtheater Valentin ist immerhin nah dran). Drittens, weil man in keinem anderen Kino so lecker essen kann. Und viertens wegen der Spontaneität der Betreiber: Falls einmal zu viele Karten verkauft worden sind, werden einfach ein paar Klappstühle vor die erste Reihe gestellt. Erfinderisch muss man sein.

Ihre Seele würde man der Stadt rauben, nähme man ihr die Eintracht. Wobei es paradox ist: Wie wichtig die Fußballmannschaft für Frankfurt ist, wird vor allem in Krisenzeiten deutlich. Als der Verein vor ein paar Jahren mal keine Lizenz mehr bekommen sollte, sprang die Landesregierung ein und erteilte eine Bürgschaft, damit der Spielbetrieb weitergehen konnte. Und eine echt gute Fan-Szene - nach Meinung von Experten gar die beste in Deutschland - entwickelte sich erst nach dem ersten Abstieg 1996. Echte Frankfurter halten jedenfalls die Daten 21. Mai 1980 (Gewinn Uefa-Cup) und 28. Juni 1959 (Sieg im Endspiel um die Meisterschaft gegen die Unaussprechlichen von der anderen Mainseite) für historisch und werden das Waldstadion nie, nie, niemals Commerzbank-Arena nennen. Am wichtigsten für Frankfurt aber ist eindeutig Offenbach. Ohne das ständige Lästern und Zetern über den unmittelbaren Nachbarn wäre das Leben am Main völlig fade, öd und leer. Und der Blick auf die wackeren Kickers vom Bieberer Berg beweist auch dann, wenn bei der Eintracht mal wieder alles schiefläuft und schlimmster Rumpelfußball gespielt wird: Es könnte alles noch viel, viel schlimmer sein. ave, ing, geo, skb