Größenwahn

 

Größenwahn ist ein junges Wort, eine Wortschöpfung des ausgehenden 19. Jahrhunderts. In den Konversationslexika von Brockhaus oder Meyer taucht es um 1900 auf, im Duden findet es sich gar erst in der Ausgabe von 1915. Literarisch ist es um 1880 erstmals bei Peter Rosegger, Theobald Kerner und Gustav Freytag in Gebrauch, und 1888 erschien die Trilogie „Größenwahn“ von Karl Bleibtreu. Um die gleiche Zeit findet es Eingang in die Psychologie, ohne dort eine fest umrissene Bestimmung zu finden. So sieht Freud im Größenwahn die Regression in eine frühkindliche Entwicklungsphase und betrachtet ihn weniger als ein Bewusstsein des Herrschenkönnens, denn als eine Empfindung, dass man alles hat, was man will, und somit als einen Zustand vollendeter Zufriedenheit.
Unsere Gäste in den Zustand vollendeter Zufriedenheit zu versetzen bei moderater Regression ist selbstverständlich auch unser Geschäftsprinzip.


 




Café Größenwahn

Die Bezeichnung „Café Größenwahn“ ist eine Erfindung des respektlosen Volksmundes.

 Es war das „Café Griendsteidel“ in Wien, direkt gegenüber der Hofburg, dem wohl zuerst dieser Spottname verliehen wurde, da dort Künstler jeder Facon verkehrten. In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts war das „Café Griendsteidel“ das bekannteste Wiener Literaturcafé ein Treffpunkt von Anzengruber, Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Karl Kraus, Felix Salten und Hermann Bahr. Als aber 1897 das „Café Griendsteidel“ abgerissen wurde (um dem Loos – Haus zu weichen), bedeutete das auch das Ende eines „Cafe Größenwahn“ in Wien.
In München hatte das „Café Stefanie“ etwa um die gleiche Zeit diesen Beinamen erhalten.
Bis zum Ersten Weltkrieg war es das Cafe der Münchner Literaten und Boheme. Namen wie Graf Keyserling, Frank Wedekind, Roda Roda und Ernst Toller, sind mit dieser großen Zeit des „Café Stefanie“ verbunden. Der 1. Weltkrieg bereitete dieser Glanzzeit des „Café Stefanie“ ein Ende. 
In Berlin bescherten Gäste wie Edmund Edel, Max Reinhard, Else Lasker-Schüler, Erich Mühsam, Alfred Döblin und Tilla Durieux dem „Cafe des Westens“ diesen Namen, ironisch gemeint, aber von den Künstlern als Auszeichnung empfunden. Für den Wirt aber scheint es ein Ruf von wenig Wert gewesen zu sein. Er versuchte das „Cafe Größenwahn“ loszuwerden, und mit ihm all diese Künstler, die wenig verzehrten und noch weniger zahlten. Nach dem 1.Weltkrieg hatte er es schließlich geschafft, und das „Cafe Größenwahn“ zog ein paar Straßen weiter in das „Romanische Cafe“. Mit Max Slevogt, Billy Wilder, Alfred Flechtheim, Bertolt Brecht, Kurt Weill, Egon Erwin Kisch, Kurt Tucholsky setzte sich die Tradition des „Cafe Größenwahn“ noch bis zu Beginn der 30er Jahre fort. .
Und Frankfurt? In Frankfurt gab es bis kurz nach dem 2. Weltkrieg das „Cafe Rumpelmayer“. Aber das war nur das örtliche Künstlercafé, und niemand wäre auf die Idee verfallen, darin ein Cafe Größenwahn zu vermuten. Den Spott des Volksmundes hatten die Künstler der genannten Cafes zu einem Markennamen gemacht, und es hätte schon eines gewissen Größenwahns bedurft, wenn sich diese lokalen Künstlergrößen mit „Café Größenwahn“ tituliert hätten.

 

Erst wir haben uns getraut, überdies ganz ohne Künstler, dem Größenwahn wieder eine feste Adresse zu geben.

 

 


aus der Geschichte

  • das Größenwahn um 1905

  • das Größenwahn 1978

  • das Größenwahn 1978 (2)

  • das Größenwahn 1978 (3)

  • Speisekarte von 1978